Kinder & Jugendliche


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Begleitung durch schwierige Lebensphasen wie Pubertät


Die Pubertät bezeichnet eine Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. In dieser Lebensphase stellen sich dem Kind/Jugendlichen folgende Aufgaben:

Entwicklung von Identität, Identifikation, Selbstwert, Individualität, Intimität und Selbstbehauptung.

In dieser Zeit auftretende Krisen entstehen aus Anpassungsschwierigkeiten des Jugendlichen an seine Umwelt auf dem Hintergrund o.g. Entwicklungs­aufgaben.

Der Verlust von engen Bindungspersonen in Familie und Freundeskreis kann starke Trauerreaktionen auslösen.

Die Entwicklung der Geschlechtsidentität kann von Jugendlichen als sehr herausfordernd erlebt werden. Z.B. Homosexualtität zu leben und innerhalb der Familie und Öffentlichkeit zu vertreten. 

Starkes Rückzugsverhalten, Leistungsabfall, selbstverletzendes Verhalten (z.B. Ritzen), Substanzmittelmissbrauch (z.B. Alkohol, Cannabis, etc.) können Anzeichen einer depressiven Entwicklung sein. 


Starke Ver­unsicher­ung aufgrund von Trennung der Eltern


Die Trennung der Eltern bringt oftmals eine große Verunsicherung und Veränderung in den Lebensalltag eines Kindes. Hierzu sollten dem Kind Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, die Trauer über den Abschied von der Ursprungsfamilie auszudrücken und nach passenden Umgangs­möglich­keiten mit der neuen Situation zu suchen. Das Wechseln zwischen den Lebenswelten der Eltern und auch das Zusammenleben mit neuen Partnern der Eltern mit eventuellen neuen Geschwistern stellt eine enorme Anpassungsleistung an das Kind dar.

Trauerarbeit wegen Verlust eines Familien­angehörigen durch Tod


Die emotionalen Bedürfnisse von Kindern, die durch den Tod eines Familienmitgliedes betroffen sind, gehen in einer trauernden Familie oft unter. Dem trauernden Kind kann mit Hilfe von Ritualen, inneren Bildern und Geschich­ten geholfen werden, seine Trauer besser zu verarbeiten. Das verstorbene Familienmitglied kann so im eigenen Leben auf eine individuelle Weise integriert werden, was das Kind als tröstlich und hilfreich erfahren kann.



Suchtmittel­missbrauch


z.B. Drogen, Alkohol, Medien (Fernsehen, Internet, Computerspiele, Chatten, etc.). Aufgrund des Suchtmittelmissbrauchs entziehen sich die Kinder/Jugendlichen den gegebenen Anforderungen der Realität und isolieren sich zunehmend.

Schulprobleme


Leistungsverweigerung/­Schulverweigerung

Hierbei ist es dem Kind/Jugendlichen nicht möglich, die Schule zu besuchen oder den Schultag durchzuhalten und die geforderten Leistungen zu erbringen. Hierzu zählen auch Kinder/Jugendliche, die den Schulbesuch völlig eingestellt haben oder die Schule mit körperlichen Beschwerden oder aus mangelnder Motivation nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Schulangst/Schulphobie

Bei der Schulangst stehen starke Ängste vor schulischen Leistungsanforderungen, vor Lehrern oder Mitschülern im Vordergrund. Bei der Schulphobie handelt es sich in erster Linie um eine Angst vor der Trennung der Eltern.


Mobbing


Hierunter versteht man die syste­matische, gerichtete und dauerhafte Ausübung negativer Handlungen auf eine einzelne Person. Die gemobbte Person fühlt sich ausgeliefert, ohnmächtig und kann sich immer schwerer wehren.

Hyperaktivität, Aufmerksam­keitsstörungen


Ein Fallbeispiel:
Der 10-jährige Tim wird beim Kinderarzt wegen ständiger disziplinarischer Probleme in der Schule vorgestellt. Er gehe in die dritte Klasse, könne nicht sitzen bleiben und laufe deshalb ständig in der Klasse herum. Er melde sich fast nie, rufe häufig dazwischen und müsse auch wegen seines Schwätzens dauernd ermahnt werden. In den Pausen komme es immer wieder zu Prügeleien. Zu Hause sei Tim ebenfalls extrem anstrengend, die Hausaufgaben würden sich unter großen Streitereien meist über den ganzen Nachmittag hinziehen. Er habe auch viele Konflikte mit seinen Geschwistern, weil er ihnen auf die Nerven gehe und immer wieder Dinge von ihnen zerstöre, teils aus Versehen, teils im Impuls mit Absicht.

Die ADHS ist gekennzeichnet durch eine extreme motorische (bewegungs­bezogene) Unruhe und Getriebenheit, die in vielen Situationen auftritt, z.B. in Form von herumlaufen, reden, lärmen und zappeln. Daneben zeigen die Betroffenen eine gestörte Aufmerksamkeit in Form von extrem leichter Ablenkbarkeit, geringer Konzentrations­fähigkeit und häufigem Wechsel der Tätigkeit. Dazu kommt eine gestörte Impulskontrolle, d.h., die Kinder können sich in jeder Hinsicht schwer "zusammenreißen" und haben wenig Frustrationstoleranz. Die Symptome beginnen in den ersten fünf Lebensjahren und überdauern zeitlich, bei ca. einem Drittel besteht die Störung auch noch im Erwachsenenalter. Durch die Unaufmerksamkeit kommt es relativ häufig zu Gefährdungen und Unfällen, außerdem bekommen die betroffenen Kinder häufig soziale Probleme, da sie in Konflikte mit Mitschülern, Lehrern etc. geraten. Im Jugendalter verringert sich meistens die motorische Unruhe, während die erhöhte Impulsivität und verringerte Aufmerksamkeit bestehen bleiben, so dass das Risiko für Drogenkonsum, Verkehrsunfälle und Delinquenz erhöht ist.

Etwa 3-5% aller Kinder sind betroffen, Jungen etwa 3 - 8 mal so häufig wie Mädchen. Die Herkunft der Störung ist nicht ganz klar, neben genetischen Faktoren spielen möglicherweise Geburtskomplikationen und Veränder­ungen im Gehirnstoffwechsel eine Rolle. Therapiert wird die ADHS zum einen durch einen konsequenten Erziehungsstil und entsprechende pädagogische Maßnahmen. Daneben kommt häufig als Medikament Methyl­phenidat (Ritalin®) zur Anwendung, dies wird aktuell als effektivste Behandlungs­methode be­trachtet. Emotionale Belastungen und andere Komorbiditäten begründen ein psycho­therapeutisches und familien­therapeutisches Vorgehen.

Quelle: Gitta Jakob (www.psychiatrie.de)

Ängste


Ängste sind v.a. im Kindesalter ein relativ häufiges Phänomen. Viele Kinder zeigen Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten (sog. "phobische Ängste"), z.B. vor Gewittern, vor Hunden oder vor der Dunkelheit. Bei 2 - 9% aller Kinder sind die phobischen Ängste so stark aus­geprägt, dass die Diagnose einer Phobie gestellt werden kann. Neben den phobischen Ängsten ist die Trennungs­angst die wichtigste Angst­störung des Kindes- und Jugendalters, unter der 3 - 5% aller Kinder leiden. Die betroffenen Kinder weigern sich, ihre Bezugs­personen zu verlassen bzw. leiden unter großen Ängsten, wenn sie dies doch tun. Das führt in der Regel zum Verweigern des Schulbesuches.

Quelle: Gitta Jakob (www.psychiatrie.de)


Einkoten (Enkopresis)


Von Enkopresis wird gesprochen, wenn ein Kind wiederholt und unwill­kürlich einkotet oder seinen Stuhl an dafür nicht vorgesehenen Stellen absetzt. Bei 7-8-jährigen Schulkindern sind ca. 1,5 - 3% betroffen, Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Im Rahmen der Diagnostik muss auf jeden Fall ausgeschlossen werden, dass eine körperliche Erkrank­ung als Ursache vorliegt. Thera­peutisch müssen ggfs. zunächst Abführmittel eingesetzt werden, um den Stuhlgang zu normalisieren, da viele Kinder mit Enkopresis den Stuhl so stark verhalten, dass es zu Verstopfung kommt.

Quelle: Gitta Jakob (www.psychiatrie.de)

Einnässen (Enuresis)


Von einer Enuresis wird gesprochen, wenn Kinder im Alter von mehr als 5 Jahren noch regelmäßig einnässen, ohne dass dafür organische Ursachen vorliegen. Dabei lassen sich die nächtliche Enuresis sowie die Enuresis tagsüber voneinander unterscheiden. Während von der nächtlichen Enuresis ca. 11% der Kinder betroffen sind, wobei die Jungen überwiegen, tritt die Enuresis tagsüber sehr viel seltener und verstärkt bei Mädchen auf. Die Enuresis ist vermutlich zum großen Teil vererbt, psychosozialer Stress spielt dafür jedoch auch eine Rolle. Sie kann z. B. mit einem verhaltens­therapeutischen Pro­gramm behandelt werden, wobei für die nächtliche Enuresis v.a. Weckgeräte eingesetzt werden, die klingeln, wenn es zum Einnässen kommt. Dadurch lernen die Kinder, im richtigen Moment aufzuwachen und die Toilette aufzusuchen. In manchen Fällen ist auch der Einsatz eines Medikamentes ange­zeigt, das die nächtliche Urinproduktion unterdrückt.

Quelle: Gitta Jakob (www.psychiatrie.de)

Zwang


Zwänge sind Gedanken und Ideen, meist in Form von Befürchtungen eines bevorstehenden Unheils, das andere oder die eigene Person treffen könnte, bildhafte Vor­stellungen schrecklicher Dinge oder Handlungs­impulse, die sich in quälender Weise immer wieder aufdrängen (Bsp. Waschzwang, Wiederholen von Worten, Handlungen, Sammeln und Horten von Gegenständen). Die zwangs­artigen Handlungen dienen dazu mit Ängsten fertig zu werden, andererseits wird schon die Vorstellung der Unterlassung von starken Ängsten begleitet. Behandlungs­zugänge sind u.a. Stärken der Selbstsicherheit, Kontrolle und Struktur des Alltags und die symbolische Bedeutung des Zwangs (Ordnung in der Familien­hierarchie, Trauer, Eifersucht, etc.).

Quelle:  Schweitzer, Schlippe (2007): Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung II, Vandenhoeck & Ruprecht

Signer-Fischer(2002) in Mrochen, Holtz, Trenkle: Die Pupille des Bettnässers, Hypnotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Carl-Auer


Schlafstörung­en


Einschlafstörungen und/oder Durchschlaf­störungen haben als Symptom bei Kindern oft eine Auswirkung auf die ganze Familie. In der gemein­samen Arbeit werden die Bedingungen für einen guten Schlaf erarbeitet. Diese setzen sich zusammen aus: Struktur des Tagesablaufs, körperlichen Faktoren, Abbau von Ängsten, Problemlösestrategien, Sicherheit, Ver­trauen und Umweltfaktoren.

Quelle: Signer-Fischer, Gysin, Stein(2009): Der kleine Lederbeutel mit allem drin, Hypnose mit Kindern und Jugendlichen, Carl-Auer

Essstörungen


Magersucht (Anorexie), Bulimie, Binge-Eating und Adipositas können im Jugendalter und darüber hinaus als Lösungsversuche für innere Konflikte betrachtet werden. Die Familien erleben häufig eine hohe emotionale Einbindung in das Essverhalten des Kindes/Jugendlichen, was neben der gesundheitlichen Sorge weiteren Stress auslöst. Bei einer anorektischen Erkrankung ist eine gute Koordination von behandelndem Kinderarzt und Psychotherapeut eine wichtige Rahmenbedingung.

Depression


Kinder und Jugendliche jeder Altersstufe können an Depressionen erkranken. Bei jüngeren Kindern zeigen sich oft Symptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Inaktivität bis hin zur Apathie. Bei Vor- und Grundschulkindern können Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Labilität Anzeichen sein. Ältere Kinder leiden unter Traurigkeit und dem Gefühl nicht genügend von ihren Bezugspersonen geliebt zu werden. Bei Jugendlichen steigt die Häufigkeit von Depressionen an. Hier kann es, ähnlich wie bei Erwachsenen, zu Leistungsproblemen, sozialem Rückzug, Verlust des Antriebs, Zukunftsängsten und Selbstwertproblemen kommen. Weiterhin zu Appetit- und Gewichtsverlust, tageszeitliche Schwankungen des Befindens oft mit einem Morgentief. Auch kann Drogenkonsum auftreten. Bei Jugendlichen steigt das Suizidrisiko stark an. Suizidankündigungen und Suizidversuche müssen immer ernst genommen werden.